Salzhemmendorf vom 30jähriger Krieg bis zu Napolen

 

tilly
Graf Johann von Tilly

1618 - 1648
Der 30 jährige Krieg ist eine schwere Zeit für das Saaletal. Konfessionelle Gegensätze und kaiserliches Machtbegehren gegenüber den Reichsständen lösten den Krieg aus, der durch das Eingreifen von Schweden und Frankreich zu einem auf deutschen Boden geführten Machtkampf um die europäische Stellung des Hauses Habsburg wird. Der auf kaiserlich-katholischer Seite kämpfende Graf Johann von Tilly fällt am 29. September 1625 mit seiner Streitmacht ins Calenberger Land ein, beraubt die Bevölkerung, ermordet hunderte von Menschen, darunter schwangere Frauen und viele Kinder und Greise die versucht hatten, sich in den Wäldern zu vestecken.

Die Ernte wird zerstört. Nördlich von Hemmendorf errichtet er ein Feldlager. Während der 44 Monate dauernden Besetzung kommt es zu Plünderungen und Brandschatzungen. Während des Krieges wird Thüste durch Pest und Brände in Mitleidenschaft gezogen. Die Einwohner werden misshandelt. Besonders schlimm hausen die Lothringer und die Kroaten. Noch heute nennt man mutwilllige Burschen "Krabaten".

Das Stift Hildesheim nimmt 1630 wieder Besitz vom Haus und Amt Lauenstein. Zwölf auf der Burg untergebrachte Franziskaner-Mönche sollen die Gegenreformation in den 12 Pfarren des Amtes Lauenstein durchführen. Die evangelischen Pastoren werden enteignet und vertrieben. Der welfische Herzog Georg von Lüneburg siegt 1633 in der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf, die kaiserlichen ziehen wieder ab und die Reformation setzt sich im Calenberger Land endgültig durch. Der Sage nach hatten die Franziskaner die Schlacht von einem Felsen auf dem Ith aus beobachtet, der seitdem "Mönchstein" genannt wird. 1640 leidet das Amt Lauenstein unter "schweren schwedischen Einquartierungen".

1635
Das Amt Lauenstein wird dem neuen Herzogtum Calenberg zugeteilt. 1636 wird die Residenz von Calenberg nach Hannover verlagert.

1692
Herzog Ernst August als Herrscher des absolutistischen Zeitalters gelingt es, begünstigt durch Erbfälle und durch erlangen der Kurwürde, die durch vielfache Erbteilungen verzweigten welfischen Stammlande wieder in seiner Hand zu vereinigen. Die Fürstentümer Calenberg und Lüneburg werden 1705 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg vereinigt, aufgrund der Residenz in Hannover bürgert sich jedoch der Name Kurhannover ein. Kurfürst Georg Ludwig besteigt als Georg der I. 1714 den englischen Thron. Die Personalunion Hannovers mit Grossbrittanien dauert bis 1837. In Abwesenheit des Landesherren regiert ein "Geheimes Ratskollegium". Durch die Verbindung mit England wurde Kurhannover in alle Kriege verwickelt, die England mit Gegnern auf dem Festland führte.

1756 - 1763
Im Verlauf des dritten schlesischen Krieges, des 7 jährigen Krieges, wird 1757 das Fürstentum Hannover von Frankreich angegriffen. Das Amt Lauenstein muss Pferde und Wagen bereitstellen. Am 26. Juli findet die Schlacht bei Hastenbeck zwischen der französischen Armee und dem englisch-hannoverschen Heer unter der Führung des Herzogs von Cumberland statt. Die meisten Bewohner Hastenbecks flüchten vor der Schlacht über den Ith nach Lauenstein. Die Dörfer Hastenbeck und Tündern werden fast vollständig zerstört, die Ernte wird vernichtet.

Nach dem Rückzug der hannoverschen Armee rücken am 30. Juli die ersten Franzosen in Lauenstein ein. Sie erpressen Lebensmittel und verwüsten das Haus des Amtsschreibers. Die Besetzung endet für Lauenstein am 11. November 1758. Um die französische Armee durch Westfalen und Hessen bis zum Rhein zurückzudrängen, brauchen die hannoverschen Truppen Soldaten und einen geordneten Nachschub. Das Amt Lauenstein muss Gespanne zum Provianttransport abstellen. 1761 werden 71 Männer aus den Ortsteilen des Amtes Lauenstein bei Nacht zwangsrekrutiert.

1792 - 1807
Die Koalitionskriege. 80 französische Soldaten werden in Hemmendorf einquartiert. Es kommt zu heftigem Streit mit den Einwohnern. Die Franzosen fordern viele Abgaben. Erst 1806 wird die Besatzung abgezogen.

1808 - 1812
Die Napoleonischen Kriege. Französische Truppen sind im Saaletal. 1808 muss ein ganzes Bataillon mit 720 Mann bequartiert werden. 1812 bricht Napoleons Grosse Armee nach Russland auf. Hierbei mussten die Lauensteiner Vorspanndienste über den Ith leisten. Von 1803 - 1813 war unsere Gegend mit einzelnen Unterbrechungen von französischen Truppen besetzt. Das Saaletal gehörte zum Kanton Hemmendorf, einem Verwaltungsbezirk des von den Franzosen eingerichteten Königreichs Westfalen (1807-1813) unter Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte.

napoleon in waterloo
Napoleon nach der Schlacht bei Waterloo

1813 -1815

Die Befreiungskriege. Am 19. Oktober 1813 verliert Napoleon die Völkerschlacht bei Leipzig. Die preussischen und englischen Streitkräfte unter Führung von Wellington und Blücher bereiten Napoleon in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 eine vernichtende Niederlage.

1814
Der Kurstaat Hannover wird 1814 durch den Wiener Kongress zum Königreich Hannover erhoben. Dieses bleibt bis 1837 in Personalunion mit Grossbritannien. Die Grenzen des Königreichs entsprechen ungefähr dem heutigen Niedersachsen.

1824
Beginn der Agrarreformen. Am 30. April tritt im Fürstentum Calenberg, zu dem auch das Saaletal gehört, die Gemeinheitsteilungsordnung in Kraft. Damit wird die Aufteilung der Allmenden geregelt. Weitere Reformen sind später die Verkoppelung und die Ablösung der Herrendienste.

1831
Eine Cholera Epidemie fordert viele Opfer.

1848
Die Hamelner Deister- und Weserzeitung wird gegründet und informiert seitdem auch über die Ereignisse im Saaletal.

1852
Ahrenfeld, Dörpe, Hemmendorf, Marienau, Oldendorf, Osterwald, Benstorf, Esbeck, Quanthof, Sehlde und Voldagsen gehen vom Amt Lauenstein an das neue Amt Coppenbrügge. Dieses wird wegen einer Vereinfachung der Ämterorganisation 1859 wieder aufgelöst. Die Grafschaft Spiegelberg und die anderen Orte gehören wieder zum Amt Lauenstein.

1866
Abschluss und Beurkundung der Verkoppelung, kleine und verstreute Ländereien werden zu grösseren Einheiten zusammengefasst, Wege und die Saale werden begradigt. Durch Abholzung von Hecken und Bäumen wird allerdings die Bodenerosion beschleunigt. Das Königreich Hannover unter dem Welfenkönig Georg V. verliert zusammen mit Österreich und den süddeutschen Staaten im Deutschen Krieg gegen Preussen. Nach der Kapitulation der Armee bei Langensalza wird Hannover von Preussen annektiert und als Provinz dem Preussischen Staat eingegliedert. Damit endet das Königreich Hannover. Das Amt Lauenstein und seine Orte werden "preussisch".

1870 -1871
Deutsch-Französischer Krieg. Nach dem Sieg wird in Deutschland das zweite Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. gegründet und besteht bis 1918. Otto von Bismarck wird Reichskanzler. Viele Denkmäler in den Ortsteilen erinnern an diesen Krieg.

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Wappen des Fleckens Salzhemmendorf

wappen des fleckens salzhemmendorf

Beschreibung

Im gespaltenen Schild links ein aufgerichteter, silberner, rot gekrönter nach links schauender Löwe auf blauem Grund, rechts ein aufgerichteter, ungekrönter, goldener, nach links schauender Löwe auf rotem Grund in blau - silber gestückter Einfassung.

Bedeutung

Dieses Wappen wird vom Flecken Salzhemmendorf seit 1984 geführt. Es zeigt das Wappen des ehemaligen Amtes Lauenstein, zu dem auch die elf Ortsteile einst gehörten. Die beiden Teile des gespaltenen Schildes bekunden die beiden Lauensteiner Börden als besondere Gerichtsbezirke. Die linke Hälfte zeigt, obwohl unhistorisch dafür, den Eversteiner Löwen. Dies symbolisiert die Unterbörde mit Gerichtsstätte an der Thie-Linde. Die rechte Hälfte stellt die Oberbörde dar, deren Dingstelle sich am Möhlenbrink befand.