Salzhemmendorf im Mittelalter
772
Der christliche König der Franken, Karl der Grosse, beginnt einen drei Jahrzehnte dauernden Krieg gegen die Sachsen, den letzten heidnischen Germanenstamm. 782 besiegen die Sachsen am Süntel ein fränkisches Heer. Als Rache lässt Karl 4500 sächsische Geiseln hinrichten. Dies führt zum Aufstand, angeführt vom sächsischen Herzog Widukind. Die Sachsen werden jedoch besiegt und 785 lässt sich Widukind taufen. Diese Zeit der Eroberung und christlichen Missionierung Sachsens ist als Endpunkt der alten Kultstätten auf dem Ith anzunehmen. Das Festhalten an den alten Religionen wird mit der Todesstrafe geahndet.
804
Der letzte Aufstand der Sachsen wird niedergeschlagen und Karl der Grosse, inzwischen zum Kaiser gekrönt, vollendet die verwaltungstechnische und kirchliche Eingliederung des Herzogtums in das Frankenreich. Das Heer-, Gerichts-, und Verwaltungswesen wird neu geordnet. Die altsächsische Gauverfassung (zu dieser Zeit ist das Land in "Gaue" eingeteilt) wird durch die fränkische Grafschaftsverfassung ersetzt. Die leitenden Beamten, die Grafen, sind jetzt in ihrem jeweiligen Amtsbereich Führer des militärischen Aufgebots, oberste Verwaltungsbeamte und Richter im Grafengericht (der Go).
Das Saaletal gehört zum Gudingau (oder Gau Gudingon) mit dem Hauptort Elze im Gebiet der Engern. In dem jeweiligen Hauptort des Landes entsteht die Hauptkirche, an den Hauptorten der Gaue entstehen die Mutterkirchen, an den Unterabteilungen der Gaue (Gohen, Börden, Landen oder Vogteien) die Archidiakonatskirchen. Kirchen errichtete man bevorzugt an Plätzen, an denen die Bevölkerung nach altem Brauch zu Gerichtsverhandlungen und Gottesverehrung zusammenkam. Der Gudingau ist eingeteilt in vier Gohen und zugleich in vier Archidiakonate, nämlich Elze, Eldagsen, Wallensen und Oldendorf. Dem Archidiakonat Wallensen entspricht die Gohe am Möhlenbrink (beim ehemaligen Bahnhof Levedagsen), dem Archidiakonat Oldendorf das Landgericht unter der Tillylinde bei Hemmendorf. Die Archidiakonate Wallensen und Oldendorf bilden später die beiden Börden des Amtes Lauenstein. Nach einem umstrittenen Bericht aus dem 12. Jahrhundert soll Karl der Grosse den Grundstein zur Elzer Kirche selbst gelegt und damit ein Missionsbistum Elze gestiftet haben.
Die Gründung sei bei einem seiner Kriegszüge durch das Sachsenland im Jahre 775 oder 796 geschehen. Sein Sohn Ludwig der Fromme verlegt 815 das Bistum nach Hildesheim, dadurch kommt der Gudingau von Engern an Ostfalen. Erst mit der Zeit des Sohnes und der Enkel Karls des Grossen, erst mit dem Auftreten schriftlicher Aufzeichnungen in Urkunden und Chroniken der ältesten Stifte und Klöster unserer Heimat kann die eigentliche historische Heimatforschung einsetzen. Die ältesten Nachrichten über unsere Heimat findet man in den Archiven des Domstifts Hildesheim und des Klosters Corvey (822 gegründet), das zwischen Ith und Leine reich begütert war.
920
Nach dem Tod Ludwigs des Kindes und der Wahl Konrads I. zum König im Ostfränkischen Reich begann die endgültige Ablösung des Ostteils vom Frankenreich und seine Entwicklung zum Reich der Deutschen. In diesem Jahr taucht der Begriff Regnum teutonicorum (Reich der Deutschen) erstmals in einer Quelle auf.
um 950
Die Billunger entwickeln neben ihrem Besitz an der Unterelbe eine zweite Machtstellung an der mittleren Weser und erlangen unter anderem auch die Grafschaftsrechte am Gudingau. Nach dem letzten Billung geht 1106 das reiche Erbe an die Welfen über - zunächst an Herzog Lothar und 1142 an Heinrich den Löwen.
1068
König Heinrich der IV. schenkt dem Hildesheimer Bistum die Grafschaftsrechte am Gudingau. Das Bistum entwickelt sich von der Diözesen- zur Landesherrschaft. Grossen Einfluss im Gebiet westlich der Leine hatten auch die Grafen von Northeim. Im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts wird der spätere Stammsitz dieser Herrschaft, die Homburg bei Stadtoldendorf, vom letzten Erben des Northeimer Grafengeschlechts angelegt.
1100
Die Grafen von Everstein schaffen sich von ihrer Stammburg bei Polle aus eine starke Machtposition im Weserbergland, hauptsächlich westlich des Iths. Bis ins 15. Jahrhundert haben sie grossen Einfluss auf die Verhältnisse im Gebiet des heutigen Landkreises Hameln-Pyrmont.
1144
Der Graf von Winzenburg kauft die Homburg. Dieser trägt 1150 dem Bischof von Hildesheim die Lehenshoheit über die Homburg an und bekommt sie als nunmehr Hildesheimer Lehen zurück. Als der Graf 1152 ermordet wird, ergreift Heinrich der Löwe, sich auf seine Verwandschaft mit dem Grafengeschlecht von Northeim berufend, von der Homburg Besitz: die Herren von Homburg werden zu seinen Gefolgsleuten.
1180
Nach einem Streit mit Kaiser Barbarossa wird Heinrich der Löwe enteignet, die Homburg fällt wieder an das Bistum Hildesheim. In den folgenden Gebietsstreitigkeiten wird das Stammesherzogtum Sachsen aufgeteilt. Der östliche Teil fällt an die Askanier, der westliche Teil als Herzogtum Westfalen an den Erzbischof von Köln. Kleinere Territorien bilden sich, im mittleren Weserraum herrschen die Grafen von Everstein, die Grafen von Spiegelberg und die Edelherren von Homburg.

Die alte Burg "Lawenstein"
1183
Der Hildesheimer Bischof überträgt die Homburg als Lehen an die Herren von Homburg. Nach der Homburgisch-Spiegelbergischen Fehde von 1226 werden die Homburger 1238 erstmals als Besitzer der Burg Spiegelberg erwähnt, kurz darauf errichten sie die Burg Lauenstein. Da die Homburger um ein gutes Auskommen mit den benachbarten welfischen Landesfürsten bemüht sind, übertragen sie 1247 Herzog Otto dem Kinde die Lehenshoheit über die Burg Lauenstein. Die Homburger bauen ihre landesherrliche Gewalt zielstrebig aus. Durch Errichtung von Ämtern werden kleinere, überschaubare Verwaltungsbezirke geschaffen. Das homburgische Amt Lauenstein (bestehend aus den Gohen Hemmendorf und Wallensen) wird vermutlich schon 1322 - sicher aber 1359 eingerichtet. Die im homburgischen Güterverzeichnis von 1400 beschriebene Abgrenzung wird auch unter den folgenden Herrschern lange Zeit beibehalten.
1235
Neugründung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Es gelingt den Herzögen durch geschickte Territorialpolitik einen grossen Teil des ehemaligen Lehens Heinrich des Löwen zurückzugewinnen. Im Verlauf des 13. - 15. Jahrhunderts zweigt sich durch Erbteilungen das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg in die Fürstentümer Lüneburg, Grubenhagen, Wolfenbüttel und Göttingen auf. Das Saaletal gehört zu Göttingen.
1270
Erbitterte Kämpfe zwischen Welfen und Hohenstaufen am Ith.
1312
Der Orden der Tempelritter (1119 von französischen Rittern in Jerusalem gegründet) wird aufgelöst. Die Tempelritter hatten zahlreiche Besitztümer im Saaletal, unter anderem den Quanthof. Der Besitz fällt an die Johanniter.
Wappen des Fleckens Salzhemmendorf

Beschreibung
Im gespaltenen Schild links ein aufgerichteter, silberner, rot gekrönter nach links schauender Löwe auf blauem Grund, rechts ein aufgerichteter, ungekrönter, goldener, nach links schauender Löwe auf rotem Grund in blau - silber gestückter Einfassung.
Bedeutung
Dieses Wappen wird vom Flecken Salzhemmendorf seit 1984 geführt. Es zeigt das Wappen des ehemaligen Amtes Lauenstein, zu dem auch die elf Ortsteile einst gehörten. Die beiden Teile des gespaltenen Schildes bekunden die beiden Lauensteiner Börden als besondere Gerichtsbezirke. Die linke Hälfte zeigt, obwohl unhistorisch dafür, den Eversteiner Löwen. Dies symbolisiert die Unterbörde mit Gerichtsstätte an der Thie-Linde. Die rechte Hälfte stellt die Oberbörde dar, deren Dingstelle sich am Möhlenbrink befand.